Jobcenter rechnet Trinkgeld als Einkommen an- geht das?

In dem zu entscheidenden Fall verdiente eine alleinerziehende Mutter als Friseurin einen monatlichen Bruttolohn in Höhe von 540,- € und erhielt aufstockend Leistungen vom Jobcenter.
Da das Jobcenter davon ausgeht, dass man als Friseurin auch Trinkgeld bekommt, forderte es die Leistungsbezieherin dazu auf, offenzulegen wie viel Trinkgeld sie erhalte.
Die Leistungsbezieherin beantwortete die Frage nicht. Daraufhin schätze das Jobcenter ein monatliches Trinkgeld in Höhe von 60,- € und rechnete dies als Einkommen an.
Hiergegen wehrte sich die Leistungsbezieherin mit einer Klage.
Das Sozialgericht Karlsruhe (Urteil, Az. S 4 AS 2297/15) entschied am 30.03.2016, dass das Trinkgeld nicht anzurechnen ist (§ 11 a V SGB II).
Grund dafür ist, dass es sich bei der Gabe von Trinkgeld um eine freiwillige Leistung handelt, die nicht aus einer rechtlichen oder sittlichen Verpflichtung herrührt.
Mit dem Trinkgeld sollen schließlich besondere gute Dienstleistungen honoriert werden. Würde aber der Kunde wissen, dass das Trinkgeld die Situation des Dienstleistenden nicht verbessert, so hätte er das Trinkgeld nicht bezahlt.
Zudem führte das Gericht an, dass eine Anrechnung im Vergleich zu besser verdienen Kollegen ungerechtfertigt erscheint, da diese das zusätzliche Trinkgeld behalten dürfen. Damit entstehen ein zusätzliches Motivationsproblem auf dem Arbeitsmarkt und eine erschwerte Eingliederung in den Arbeitsmarkt.
Sofern also das Trinkgeld ca. 10 % der gewährten Hartz IV-Leistungen monatlich nicht übersteigt, wäre daher eine Anrechnung unangemessen.